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Spinale Muskelatrophie und Physiotherapie

Bei der angeborenen Erkrankung liegt der Defekt in der motorischen Vorderhornzelle. Impulse, welche vom Gehirn ausgesendet werden, gelangen zwar bis ins Rückenmark, werden aber von dort nicht an den peripheren motorischen Nerv weitergeleitet. Es kommt somit zu einer Atrophie der Muskulatur. Nicht betroffen sind die sensiblen Fasern. Das heißt, die Berührungs- und Schmerzempfindlichkeit ist intakt.

Bei allen drei Formen der spinalen Muskelatrophie gibt es keine ursächliche Physiotherapie. Sie hat aber eine wichtige, unterstützende und begleitende Aufgabe neben der ärztlichen Behandlung.

Ein wichtiges Ziel der Physiotherapie ist, die Funktionalität und Beweglichkeit zu verbessern und zu erhalten, die Kräftigung steht dabei eher im Hintergrund.

Das Kind soll- soweit es die Muskelschwäche zulässt, die normale Entwicklung mit ihren physiologischen Bewegungsabläufen erlernen. Der Therapeut achtet dabei auf eine achsengerechte Stellung der Bein und Armgelenke. Durch Unterstützung des Therapeuten ist es dem Kind somit möglich unterschiedliche sensomotorische Erfahrungen zu machen.

SMA Patienten dürfen durchaus – unter Einhaltung der Ermüdungs-, Frustrations- und Schmerzgrenze- motorisch gefordert werden. Um den Spaß an der Therapie zu erhalten ist es wichtig, dass es ein dynamisches, spielerisches Arbeiten mit den Kindern ist. Werden in der Therapie Widerstände eingebaut, so kann hiermit ein Krafterhalt der Muskulatur bewirkt werden. Außerdem fördert dynamisches Üben den Muskelstoffwechsel und die Durchblutung.

Auch Bewegen im Wasser ist eine sinnvolle Ergänzung zur Physiotherapie. Aufgrund der verminderten Schwerkraft haben auch schwer betroffene Kinder die Möglichkeit aktiver zu werden. Zur Unterstützung bzw. Sicherheit können div. Hilfsmittel (Halskrause, Schwimmweste,…) verwendet werden.

Aus: Physiotherapie in der Pädiatrie (A. Hüter-Becker, M. Dölken - 2010)